Bundesamt für Wohnungswesen empfiehlt Pflicht zum Gebäudeenergieausweis

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Der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) soll bei Handänderungen und Vermietungen von Wohnliegenschaften Pflicht werden – zumindest wenn es nach dem Willen des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) geht. Bislang gibt es den GEAK nur auf freiwilliger Basis.

Energieeffizienz, Gebäudeenergieausweis, Foto: Ingo Bartussek/fotolia.com
Eine energetische Sanierung kann helfen, Heizkosten zu sparen. Der Gebäudeenergieausweis soll helfen, die Energieeffizienz in Wohngebäuden zu steigern. Foto: Ingo Bartussek/fotolia.com Foto: Ingo Bartussek/fotolia.com

Für Mieter und Käufer ist es oft nicht ganz einfach, einzuschätzen, wie hoch der Energieverbrauch einer Immobilie ist. Der Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) kann hier Abhilfe schaffen – Gebäude werden so besser vergleichbar. Laut Bundesamt für Wohnungswesen (BWO)  können Immobilieneigentümer durch den GEAK darüber hinaus dazu ermuntert werden, ihre Immobilie energetisch sanieren zu lassen.

Denn: Eigentümer, die für ihre Liegenschaft eine schlechte Energieeffizienz offenlegen müssen, hätten so durch den GEAK ein grösseres Interesse daran, ihre Position auf dem Vermietungsmarkt zu stärken, heisst es in einem offiziellen Prüfbericht des BWO.

Gebäudeenergieausweis soll bei Handänderung und Vermietung vorgeschrieben werden

In der Untersuchung kommt das Bundesamt zu dem Schluss, dass ein schweizweit verpflichtender GEAK zu einer deutlichen Energieeinsparung bei Wohnimmobilien führen könnte. In der Konsequenz empfiehlt der Prüfbericht, die Vorlage des GEAK bei jeder Vermietung zur Pflicht zu erklären. Bei Handänderungen soll dagegen der GEAK Plus Pflicht werden. Dieser enthält im Vergleich zum einfachen GEAK zusätzlich einen detaillierten Beratungsplan und Vorschläge für Modernisierungsmassnahmen.

Hauseigentümerverein kritisiert Empfehlung

Der Hauseigentümerverein (HEV) kritisiert an der Empfehlung des Bundesamts insbesondere, dass der effektive Energieverbrauch und die damit verbindenden Nebenkosten aus dem GEAK gar nicht hervorgehen. Im GEAK wird jedes Haus in eine Klasse von A bis G eingeteilt, wobei A für eine hervorragende Wärmedämmung und G für eine höchstens lückenhafte Dämmung steht. Auch bei einer verhältnismässig guten Klassifizierung könnten die Energiekosten allerdings hoch sein, so der HEV in einer Pressemitteilung.

Auf Nachfrage erklärt ein Sprecher des BWO: „Die effektive Höhe der Nebenkosten ist von verschiedenen Variablen wie Energiepreisen, Wetter oder Benutzerverhalten abhängig und kann nicht im Voraus exakt bestimmt werden. Es kann daher gar nicht dem Zweck des GEAK entsprechen, hierzu genaue Angaben zu machen.“  Änderungen am Gebäudeenergieausweis, die die Einschätzung künftiger Kosten erleichtern, seien daher nicht geplant. Anhaltspunkte für die Nebenkosten gebe der GEAK allerdings durchaus. Der Gebäudeenergieausweis enthalte unter anderem Informationen zum Energiebedarf eines Gebäudes bei Standardnutzung sowie effektive Verbrauchsdaten.

GEAK, Foto: ENDK Konferenz Kantonaler Energiedirektoren
Der GEAK soll Auskunft über die Energieeffizienz einer Immobilie geben. Grafik: ENDK Konferenz Kantonaler Energiedirektoren Foto: ENDK Konferenz Kantonaler Energiedirekt

Gebäudeenergieausweis auf Immobilieneigentümer abgestimmt

Der Hauseigentümerverein sieht jedoch noch ein weiteres Problem. Denn der GEAK dient unter anderem dem Zweck, Hauseigentümer auf die energetische Sanierung ihrer Immobilie durch eine umfassende Beratung vorzubereiten. Die vorgeschlagenen Erneuerungsvarianten müssen also auf die Bedürfnisse und auch auf die finanziellen Möglichkeiten des Eigentümers abgestimmt werden. „Wird der GEAK Plus noch durch den Verkäufer initiiert, passen die vorgeschlagenen Erneuerungsvarianten mit Nichten auf den neuen Eigentümer und das Papier wird grösstenteils wertlos“, so der Eigentümerverein.

„Ob sich eine Sanierung wirtschaftlich lohnt oder nicht, kann am besten gestützt auf den GEAK Plus beurteilt werden“, heisst es hierzu aus dem BWO. Dieser enthalte eine transparente Kostenaufstellung und erleichtere damit den Investitionsentschied. Die Wahl der erforderlichen Massnahmenpakete könne der Immobilieneigentümer dabei aber auch dem Käufer überlassen.

Ob der GEAK bei Vermietung und Verkauf künftig wirklich zur Pflicht wird, steht derzeit noch nicht fest. Bislang hat der Bundesrat den Bericht des Bundesamts für Wohnungswesen lediglich zur Kenntnis genommen. Entsprechende politische Entscheidungen wurden noch nicht getroffen.

22.05.2015


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