Höherer Mietzins durch energetische Sanierung

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Durch eine energetische Sanierung kann für Mieter der Mietzins stark ansteigen. Der Spareffekt durch geringere Heizkosten wird geschmälert oder fällt sogar ganz weg. Das offenbart eine Studie des Bundesamtes für Energie.

Energetische Sanierung. Foto: Kara/fotolia.com
Wenn Eigentümer energetisch sanieren, kann es für Mieter teuer werden. Foto: Kara/fotolia.com Foto: Kara/fotolia.com

Zwar sinken durch die energetische Sanierung die Energiekosten für Mieter, aber der Spareffekt kann ganz wegfallen, wenn die Miete dadurch steigt. Das Bundesamt für Energie (BfE) hat in der Studie «Energetische Sanierung – Auswirkungen auf Mietzinsen», die im Januar veröffentlicht wurde, zehn grössere Liegenschaften untersucht, bei denen in jüngerer Zeit Sanierungsmassnahmen durchgeführt wurden. Olivier Meile, Bereichsleiter Gebäudetechnologie im BfE, kommentierte die Studie im Schweizer Radio: „Es gibt Hinweise darauf, dass am Ende des Tages eine energetische Sanierung für den Mieter zu einer Erhöhung der Mietzinsen führen kann.“

Ein angeführtes Beispiel in der Studie beschreibt folgenden Fall:

Eine Genossenschaft besitzt einen Altbau von 1900 mit insgesamt zwölf Wohnungen. Die letzte Sanierung wurde 1978 durchgeführt. Jetzt soll das Gebäude totalsaniert und die Gebäudetechnik erneuert werden. Die anteiligen Kosten für die energetische Sanierung betragen dabei 13 Prozent der Gesamtkosten.

Im Anschluss legt die Genossenschaft die entstandenen Kosten auf die Mieter um, sodass die Vermietung rentabel bleibt. Nach den Rechnungen des Bundesamtes für Energie erhöht sich allein aufgrund der energetischen Sanierung die Miete für eine 4-Zimmer-Wohnung mit 116 Quadratmetern um 191 Franken. Gleichzeitig können aber nur zwölf Franken pro Monat durch den geringeren Energieverbrauche eingespart werden. Die monatliche Mehrbelastung aufgrund der energetischen Sanierung beträgt somit 179 Franken.

Energetische Sanierung – ein Vorwand für Luxussanierungen?


Die Untersuchung zeigt auch, dass Eigentümer eine Sanierung hinsichtlich der Energieeffizienz fast immer auch für eine Rundumerneuerung nutzen. So wird zum Beispiel nicht nur das Dach gedämmt, sondern auch gleich ein neues Bad und eine neue Küche eingebaut. Eine entsprechende Mieterhöhung ist häufig die Folge. Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht betrachtet bestehe deshalb die Sorge, dass günstiger Wohnraum zu knapp wird, beschreibt die Studie.

Das Ziel der Untersuchung war es, einen ersten Beitrag zur Beantwortung der Frage zu leisten, wie sich umfangreiche Sanierungen auf Mieten auswirken.

Fazit


Für Eigentümer lohnen sich demnach energetische Sanierungsmassnahmen meistens. Aus Mietersicht hingegen sind Mietzinserhöhungen, die auf die energetischen Sanierungen zurückführen sind, in den allermeisten Fällen höher als die Einsparungen durch den reduzierten Energieverbrauch. Gleichzeitig steigt allerdings der Wohnkomfort. Da aber nur zehn Sanierungsprojekte in der Studie unter die Lupe genommen wurden, sind die Ergebnisse des BfE mit Vorsicht zu geniessen.

10.04.2015


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