Richtlinien für Hypothekenvergabe ändern sich zum 1. September

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Am 1. September treten neue Richtlinien für die Hypothekenvergabe in Kraft. Kredite müssen dann schneller getilgt werden. Bei den Berechnungen, ob eine Immobilie für den Kreditnehmer tragbar ist, können die Einkommen von Lebenspartnern zudem nur noch unter bestimmten Umständen angerechnet werden.

Haus, Hypothekenvergabe, Foto: ThomBal/fotolia.com
Wer sich ein eigenes Haus kaufen will, hat es bei der Hypothekenvergabe künftig unter Umständen schwerer. Foto: ThomBal/fotolia.com Foto: ThomBal/fotolia.com

Die Mindestanforderungen für die Vergabe von Hypothekarfinanzierungen werden ab 1. September verschärft. Die Massnahme, die von der Schweizerischen Bankiervereinigung beschlossen und von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA genehmigt wurde, soll dazu beitragen, den Immobilienmarkt abzukühlen und die Gefahr einer Immobilienblase zu verringern. Die neuen Richtlinien für die Hypothekenvergabe gelten als Selbstregulierungsmassnahme für alle Schweizer Banken. Setzen diese die Mindeststandards nicht um, müssen sie Kredite mit mehr Eigenmitteln unterlegen.

Hypothekenvergabe: Verkürzung der Amortisation

Die wohl wichtigste Änderung betrifft die Dauer, in der Hypothekarschulden auf zwei Drittel des Belehnungswerts amortisiert werden müssen. Bislang muss dies in 20 Jahren geschehen, künftig wird diese Frist auf 15 Jahre verkürzt. Zudem muss der Kredit von Beginn an in regelmässigen und gleich hohen Beträgen zurückgezahlt werden. Eine Karenzzeit zu Beginn des Kredits, in der keine Tilgungen vorgeschrieben sind, wird es demnach künftig nicht mehr geben.

Änderung bei Zweiteinkommen und Einführung des Niederstwertprinzips

Eine weitere Massnahme betrifft die Anrechenbarkeit von Zweiteinkommen, also beispielsweise der Gehälter eines Lebenspartners. Bei der Prüfung, ob ein Hypothekarkredit für den Kreditnehmer tragbar ist, sollen diese nur noch unter bestimmten Umständen gezählt werden dürfen. Voraussetzung ist eine sogenannte Solidarschuldnerschaft. Das bedeutet, dass sich die Kreditnehmer verpflichten müssen, gemeinsam für die gleichen Verbindlichkeiten zu haften. Bei Eheleuten ohne Gütertrennung ist dies normalerweise ohnehin der Fall, alle anderen Paare müssen hierfür einen speziellen Vertrag abschliessen.

Zudem hat die Schweizerische Bankiervereinigung die Einführung des Niederstwertprinzips beschlossen. Je nachdem, welcher Wert der niedrigere ist, wird künftig als Belehnungswert entweder der Marktwert oder der Kaufpreis herangezogen. Das bedeutet in der Praxis: Wer für eine bestimmte Immobilie einen Liebhaberpreis bezahlen will, der höher liegt als der Marktwert, muss die Differenz aus eigenen Mitteln bezahlen.

Durch die neuen Richtlinien für die Hypothekenvergabe wird es für potenzielle Eigenheimbesitzer unter Umständen schwieriger, an einen Kredit zu kommen. Allerdings gelten die Regelungen nur für neu abgeschlossene Hypotheken, an bestehenden Verträgen ändert sich nichts. Zuletzt hatte die FINMA im Jahr 2012 die Mindestanforderungen verschärft und dabei unter anderem festgelegt, dass mindestens zehn Prozent des Belehnungswertes aus Eigenmitteln erbracht werden müssen.

28.08.2014


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