Wenn Nachbarschaftshilfe zu Schwarzarbeit wird

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77 Prozent der Schweizer lehnen Schwarzarbeit als illegal und unmoralisch ab. Dies ergab eine aktuelle Umfrage. Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Auch Freundschaftsdienste, Nachbarschaftshilfen und die Unterstützung innerhalb der Familie können als Schwarzarbeit ausgelegt werden – wenn die Tätigkeiten ein gewisses Mass übersteigen.

Putzfrau, Schwarzarbeit, Foto: MariaBobrova/fotolia.com
Eine Putzfrau nicht bei der Ausgleichskasse anzumelden, kommt für die meisten Schweizer nicht in Frage. 77 Prozent von ihnen lehnen Schwarzarbeit ab. Foto: MariaBobrova/fotolia.com Foto: MariaBobrova/fotolia.com

Eine Putzhilfe nicht bei der Kasse anzumelden oder dem Nachbarn für einen Freundschaftspreis das Haus zu renovieren, klingt zunächst nicht wie ein echtes Verbrechen. Allerdings: Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt. Wer einen Arbeitnehmer beschäftigt ohne ihn bei der zuständigen AHV-Ausgleichskasse anzumelden, muss nicht nur rückwirkend die Versicherungskosten nachzahlen, sondern wird meist auch mit Geldbussen bestraft – je nach Vergehen können dabei viele tausend Franken fällig werden. Freundschaftsdienste sowie die Unterstützung innerhalb der Familie können dabei auch als Schwarzarbeit gelten, wenn bestimmte Grenzen nicht eingehalten werden.

Die Grenzen der Nachbarschaftshilfe

Damit Freundschaftsdienste und Hilfe unter Nachbarn nicht als meldepflichtige Arbeit eingestuft werden, muss bei der Tätigkeit die Hilfsbereitschaft im Vordergrund stehen. Was sich im Juristenjargon kompliziert anhört, heisst in der Praxis: Für die Hilfeleistung wird keine Gegenleistung erwartet und die genaue Dauer der Arbeit wird nicht gemessen. Zudem erhält der Helfer kein oder nur ein symbolisches Entgelt.

„Wer beispielsweise einem Nachbarn mit einem gebrochenen Bein beim Einkaufen hilft und dafür eine Flasche Wein bekommt, muss deswegen nicht gleich der Ausgleichskasse gemeldet werden“, sagt der auf Arbeitsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Dr. Daniel Alder. „Wer allerdings hilft, das Dach des Nachbarn zu decken und dabei pro Arbeitsstunde bezahlt wird, ist auf jeden Fall meldepflichtig.“ Generell werde allerdings immer der Einzelfall beurteilt.

Unterstützung innerhalb der Familie: Was ist erlaubt?

Die gegenseitige Unterstützung von Familienmitgliedern gilt in der Regel  nicht als Erwerbstätigkeit – selbst dann nicht, wenn dafür ein Entgelt gezahlt wird. Anders verhält es sich allerdings dann, wenn eine Tätigkeit das übliche Mass familiärer Unterstützung übersteigt. „Das übliche Mass gilt als überschritten, wenn eine Tätigkeit erbracht wird, die normalerweise von einem Angestellten erbracht werden würde“, sagt Alder. „Wenn zum Beispiel der Sohn des Hauses einen kleinen Laden weiterführt, weil die Mutter im Urlaub ist, sprengt das nicht das übliche Mass “, erklärt der Rechtsanwalt. Im familiären Umfeld würden allerdings generell keine allzu harten Urteile gefällt. „Denn in der Landwirtschaft und vielen anderen Bereichen ist es ja üblich, dass sich Familienmitglieder stark unter die Arme greifen“, so Alder.

Grosser Teil der Schweizer lehnt Schwarzarbeit ab

Der grösste Teil der Schweizer lehnt Schwarzarbeit grundsätzlich ab. Wie eine repräsentative Umfrage von immowelt.ch ergab, halten 77 Prozent der Befragten Schwarzarbeit für unmoralisch. Nur zwölf Prozent halten nicht behördlich angemeldete Arbeit für ein Kavaliersdelikt und gaben an, nicht unnötig viel Geld für Versicherungskosten bezahlen zu wollen. Weitere elf Prozent sehen sich durch ihre finanzielle Lage dazu gezwungen, Schwarzarbeiter einzusetzen, sagten jedoch, dass ihnen dabei nicht ganz wohl sei.

Grundsätzlich gilt: Wer Zweifel daran hat, ob eine bestimmte Arbeit innerhalb der Familie oder für einen Freund oder Nachbarn meldepflichtig ist oder nicht, sollte einen Anwalt konsultieren.

27.08.2014


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